Traineeprogramme - die 10 größten Vorurteile und Irrtümer

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Donnerstag, den 08. Juli 2010 um 19:14 Uhr

"Wer braucht schon Trainees? Praktikanten haben wir doch ohne Ende. Sind auch viel billiger und machen doch alle dasselbe." Noch immer gibt es viele Missverständnisse darüber, was ein Trainee macht, welchen Hintergrund Traineeprogramme haben und welche Entwicklungsmöglichkeiten Traineestellen bieten (sollten). Die sprachliche Verirrung einiger weniger Firmen, die analog zum englischen Sprachgebrauch Trainee sagen und Praktikant oder billige Arbeitskraft meinen, macht die Differenzierung nicht einfacher. Verschiedene Vorurteile und Missverständnisse bleiben daher hartnäckig bestehen und sind nur schwierig aus der Welt zu schaffen. Die 10 Häufigsten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, im Folgenden.

Trainees sind nur bessere Praktikanten

Kaffee kochen, fotokopieren, Listen abtippen und anderen Mitarbeitern über die Schulter gucken.  Leider immer noch bei zahlreichen Praktikantenstellen Usus, ist dies bei Traineeprogrammen in den aller seltesten Fällen der Fall. Der Grund dafür liegt klar auf der Hand: Trainees kosten eine Menge Geld. Etwa 90.000.-€ fließen pro Jahr in die Ausbildung eines Trainees berichtet das Institut für Organisation und Personal. Dies beinhaltet das Trainee-Gehalt, alle arbeitgeberseitigen Sozial- und Beschäftigungskosten, Kosten für Auslandsaufenthalte, Netzwerkveranstaltungen, die interne Weiterbildung und verschiedene andere Aufwendungen. Praktikanten dagegen bekommt man gerne auch einmal für unter 10.000,-€ pro Jahr.

Trainees werden viel schlechter bezahlt als Direkteinsteiger

Jein. Insgesamt liegt das Lohnniveau von Trainees ein wenig niedriger, als das der Direkteinsteiger. Die aktuelle alma mater-Studie zu den Einstiegsgehältern von Hochschulabsolventen spricht von etwa 5%, die bei einer Traineestelle abgeschlagen werden müssen. Eine Vielzahl von Unternehmen bekennt sich aber schon seit geraumer Zeit dazu, ihre Trainees gleichwertig wie die Direkteinsteiger zu vergüten. Dazu gehört neben BOSCH zum Beispiel auch Daimler. In 2010 liegen 50% der Trainee-Gehälter zwischen 31.740,-€ und 42.000,-€. Der Durchschnitt verdient 38.000,-€ pro Jahr. Auch einer der Gründe, warum man die wertvolle Traineezeit nicht mit dem Erlernen des perfekten Mischungsverhältnisses von aromatischen Kaffeebohnen und Wasser verbringen wird.

Kein Traineeprogramm sollte länger als 6 Monate dauern

Es gibt verschiedene Programme, die tatsächlich nur 6 Monate dauern. Dies mag in einigen Unternehmen und aus bestimmten Gründen nötig und richtig sein. Grundsätzlich sollte man aber bedenken, dass 6 Monate ein eher knapper  Zeitraum sind, wenn es darum geht in verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens zu arbeiten, ein tieferes Verständnis für die Vorgänge und Abläufe im Unternehmen zu entwickeln und sich ein Netzwerk aufzubauen. Gerade wenn außerdem bei einem internationalen Traineeprogramm noch ein Auslandsaufenthalt auf dem Programm steht. Daher wundert es kaum, dass in den meisten Fällen die  Laufzeit der Traineeprogramme zwischen 12 und 24 Monaten liegt. Einige wenige Programme nehmen sich noch etwas mehr Zeit und dauern volle 36 Monate.

Wer eine Traineestelle hat, wird danach auch 100%tig übernommen

Nur die wenigsten Unternehmen statten ihre Trainees von Beginn an mit unbefristeten Arbeitsverträgen aus. Normalerweise sind sie auf die Dauer des Traineeprogramms befristet. Aber, wie bereits gesagt: Traineeprogramme kosten die Unternehmen viel Geld. Natürlich steckt dahinter der unbedingte Wille, gutes Nachwuchspersonal auszubilden und möglichst weiter zu beschäftigen. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Weiterbeschäftigung im Anschluss an das Traineeprogramm ist also grundsätzlich nicht schlecht. Unternehmen, die schon bei der Einstellung Nägel mit Köpfen in Form von unbefristeten Arbeitsverträgen für Trainees machen, finden sich in unserem Trainee-Forum.

Traineeprogramme sind wie eine Ausbildung durchgeplant

Traineeprogrammen liegt kein unternehmensübergreifend ähnlicher Ausbildungsplan, wie z. B. bei einer kaufmännischen Ausbildung der IHK zu Grunde. Die Bezeichnung als Trainee ist nicht gesetzlich oder durch die Handelskammern geschützt und es gibt keinen verbindlichen Lehrplan oder ähnliches. Unternehmen können selbst entscheiden, wie sie das Programm aufbauen, wie der Ablauf gestaltet ist, welche Dauer und welche Inhalte sie zugrunde legen.  Daher gilt es, sich im Vorfeld genauestens über das entsprechende Programm zu informieren um später nicht doch nur die Ablage des seit 1998 etwas nachlässigen Projektmanagers für Beschwerdemanagement zu machen.

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Trainees unterliegen wie Studenten und Auszubildenden anderen arbeitnehmerrechtlichen Gesetzen und Verordnungen als normale Angestellte

Nein - Ja, Vielleicht. Trainees sind grundsätzlich Angestellte, wie alle anderen Mitarbeiter des Unternehmens auch. Es gibt weder einen Studentenstatus, noch einen Auszubildendenstatus, der bei Trainees greift und zu einem besonderen Schutz oder Vorteilen in der Besteuerung, bei Kündigung oder ähnlichem führt. Wie bereits ausgeführt, ist der Traineestatus nicht geschützt und daher werden Trainees grundsätzlich, wie alle anderen Angestellten behandelt. Wenn das Unternehmen hier Ausnahmen macht, ist das eine interne Angelegenheit.

Und jetzt kommt das Aber: Im Jahr 2008 beschäftigte sich das Finanzgericht Münster mit der Frage ob ein Traineeprogramm ein erster Job, oder vielleicht doch die Fortsetzung einer Ausbildung ist und damit zum Bezug von Kindergeld berechtigt. Und siehe da: In bestimmten Situationen, kann auch ein Trainee weiterhin Kindergeld beziehen und befindet sich damit noch in einem „Ausbildungsverhältnis". Allerdings ist dies nicht vom Verdienst des Trainees, sondern von der Belastung der Eltern, die durch das Traineeprogramm ihres Kindes entstehen, abhängig. Im Einzelfall wurde dieser Punkt aber auch schon gegenteilig von verschiedenen Gerichten beurteilt.

Als Trainee weiß man nie, in welcher Abteilung man später landet

Traineeprogramme dienen der Orientierung und dem Netzwerkaufbau im Unternehmen, dem Aufspüren der eigenen Fähigkeiten, Begabungen, Interessen und Präferenzen. Dies ist ein wichtiger Teil des Konzepts, den man wenn möglichst nutzen sollte. Es empfiehlt sich daher, sich nicht schon zu Beginn des Traineeprogramms zu sehr auf eine bestimmte Position einschießen. Oftmals wird aber schon im Arbeitsvertrag der Trainees der Bereich für die spätere Übernahme eingegrenzt. Den Extremfall hier stellen Fachtrainees da. Fachtrainees werden immer für fest definierte Aufgaben und Aufgabenbereiche eingestellt und es stellt sich normalerweise nicht am Ende des Programms die Frage, ob in welcher Abteilung sie eingesetzt werden möchten. Ob, und in welchem Maß zum Ende des Programms tatsächlich die Möglichkeit besteht, sich für eine bestimmte Abteilung zu entscheiden, hängt stark von der internen Personalplanung im Unternehmen und den Gegebenheiten vor Ort ab.

Eine Bewerbung für ein Traineeprogramme lohnt sich nur für High-Potentials

Auch diese Aussage trifft so nicht ganz zu. Es ist richtig, dass viele Unternehmen Ihre Programme als Ausbildungswerkzeug für den Führungsnachwuchs der mittleren und oberen Managementebenen nutzen. Verallgemeinern darf man es allerdings nicht, da viele Unternehmen Traineeprogramme als effektives Instrument zur Personalgewinnung für die verschiedensten Zielpositionen einsetzen. Wie sinnvoll eine Bewerbung für ein Unternehmen oder eine Position ist, hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Wer sich für ein Traineeprogramm bei PORSCHE, VW oder Daimler bewirbt, muss sich im Klaren sein, dass er mit Tausenden von anderen sehr gut qualifizierten und ausgebildeten Bewerbern konkurriert. Nur wer klare Ziele hat, aus Unternehmenssicht gute Gründe für die Einstellung bei dem jeweiligen Unternehmen mitbringt und dazu einen interessanten Werdegang oder eine hohe Passgenauigkeit für die angestrebte Traineestelle mitbringt, wird hier eine reale Chance haben. Aber neben den DAX- und den „TOP 100 beliebtesten Unternehmen Deutschlands", gibt es noch tausende Mittelständer und andere Unternehmen, die spannende und herausfordernde Traineeprogramme anbieten und nicht von einer riesigen Maße von Bewerben überrannt werden. Hier lohnt es sich kreativ zu sein, die eigene Nische auszumachen und sich entsprechend, gerne auch Initiativ zu bewerben.

Mit Ende 20 - Anfang 30 ist man zu alt für ein Traineeprogramm

Auch hier kann man ganz klar sagen: Das kommt drauf an. Wer gute Gründe für den späten Einstieg als Trainee hat und einleuchtend erklären kann, warum er nicht bereits mit 24 Jahren, abgeschlossenen Diplomstudium, Doktor und 3- jährigem Auslandsaufenthalt seine Bewerbung verschickt hat,  der sollte es probieren.  Aber Scherz beiseite, häufig sind dem Studium Zivildienst und eine Ausbildung vorausgegangen. Außerdem können auch bei längeren oder mehreren Auslandsaufenthalten die Semester schnell in die Höhe schießen. Wem an einer Traineestelle in einem bestimmten Unternehmen gelegen ist, der  sollte sich davon nicht einfach abschrecken lassen. Durch das Einfügen der entsprechenden Stationen in Lebenslauf und Anschreiben sollte man einen plausiblen Rückschluss auf die Gründe für den Einstieg zu diesem Zeitpunkt offen legen und sich somit unter Umständen sogar einen Vorteil gegenüber jüngeren Bewerbern erschließen. Der wichtigste Punkt hier und in jeder Bewerbung ist wieder, sich nicht auf ein standardisiertes Format zu verlassen, sondern in jeder im Lebenslauf aufgeführten Station den Punkt niederzuschreiben, der einen Bezug zur angestrebten Traineestelle herstellt und im besten Fall eine Qualifikation für die Stelle darstellt. So gelingt es sich von anderen Bewerben abzuheben und andere Faktoren, wie z. B. ein höheres Alter in den Hintergrund zu rücken.

Der Auswahlprozess für Traineeprogramme beinhaltet immer ein Assessment Center.

Die meisten Traineeprogramm sind tatsächlich mehrstufig und schließen oftmals mit einem ein- oder mehrtägigen Assessment-Center ab. Allerdings lässt sich dies nicht beliebig verallgemeinern. Typisch ist oftmals die Reihenfolge: Online-Assessment oder Online Test, telefonisches Vorstellungsgespräch, Bewerbungsgespräch vor Ort, Assessment Center. Gerade bei Fachtraineeprogrammen steht aber häufig das Bewerbungsgespräch mit Mitgliedern der jeweiligen Fachabteilung im Vordergrund und auf ein Assessment Center wird verzichtet. Im Zweifel sollte man den entsprechenden Ansprechpartner kontaktieren und nachfragen.

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Bildquelle: © Andrea Kusajda | pixelio.de