|
Seite 1 von 2 "Wer braucht schon Trainees? Praktikanten haben wir doch ohne Ende. Sind auch viel billiger und machen doch alle dasselbe." Noch immer gibt es viele Missverständnisse darüber, was ein Trainee macht, welchen Hintergrund Traineeprogramme haben und welche Entwicklungsmöglichkeiten Traineestellen bieten (sollten). Die sprachliche Verirrung einiger weniger Firmen, die analog zum englischen Sprachgebrauch Trainee sagen und Praktikant oder billige Arbeitskraft meinen, macht die Differenzierung nicht einfacher. Verschiedene Vorurteile und Missverständnisse bleiben daher hartnäckig bestehen und sind nur schwierig aus der Welt zu schaffen. Die 10 Häufigsten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, im Folgenden.
Trainees sind nur bessere Praktikanten
Kaffee kochen, fotokopieren, Listen abtippen und anderen Mitarbeitern über die Schulter gucken. Leider immer noch bei zahlreichen Praktikantenstellen Usus, ist dies bei Traineeprogrammen in den aller seltesten Fällen der Fall. Der Grund dafür liegt klar auf der Hand: Trainees kosten eine Menge Geld. Etwa 90.000.-€ fließen pro Jahr in die Ausbildung eines Trainees berichtet das Institut für Organisation und Personal. Dies beinhaltet das Trainee-Gehalt, alle arbeitgeberseitigen Sozial- und Beschäftigungskosten, Kosten für Auslandsaufenthalte, Netzwerkveranstaltungen, die interne Weiterbildung und verschiedene andere Aufwendungen. Praktikanten dagegen bekommt man gerne auch einmal für unter 10.000,-€ pro Jahr.
Trainees werden viel schlechter bezahlt als Direkteinsteiger
Jein. Insgesamt liegt das Lohnniveau von Trainees ein wenig niedriger, als das der Direkteinsteiger. Die aktuelle alma mater-Studie zu den Einstiegsgehältern von Hochschulabsolventen spricht von etwa 5%, die bei einer Traineestelle abgeschlagen werden müssen. Eine Vielzahl von Unternehmen bekennt sich aber schon seit geraumer Zeit dazu, ihre Trainees gleichwertig wie die Direkteinsteiger zu vergüten. Dazu gehört neben BOSCH zum Beispiel auch Daimler. In 2010 liegen 50% der Trainee-Gehälter zwischen 31.740,-€ und 42.000,-€. Der Durchschnitt verdient 38.000,-€ pro Jahr. Auch einer der Gründe, warum man die wertvolle Traineezeit nicht mit dem Erlernen des perfekten Mischungsverhältnisses von aromatischen Kaffeebohnen und Wasser verbringen wird.
Kein Traineeprogramm sollte länger als 6 Monate dauern
Es gibt verschiedene Programme, die tatsächlich nur 6 Monate dauern. Dies mag in einigen Unternehmen und aus bestimmten Gründen nötig und richtig sein. Grundsätzlich sollte man aber bedenken, dass 6 Monate ein eher knapper Zeitraum sind, wenn es darum geht in verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens zu arbeiten, ein tieferes Verständnis für die Vorgänge und Abläufe im Unternehmen zu entwickeln und sich ein Netzwerk aufzubauen. Gerade wenn außerdem bei einem internationalen Traineeprogramm noch ein Auslandsaufenthalt auf dem Programm steht. Daher wundert es kaum, dass in den meisten Fällen die Laufzeit der Traineeprogramme zwischen 12 und 24 Monaten liegt. Einige wenige Programme nehmen sich noch etwas mehr Zeit und dauern volle 36 Monate.
Wer eine Traineestelle hat, wird danach auch 100%tig übernommen
Nur die wenigsten Unternehmen statten ihre Trainees von Beginn an mit unbefristeten Arbeitsverträgen aus. Normalerweise sind sie auf die Dauer des Traineeprogramms befristet. Aber, wie bereits gesagt: Traineeprogramme kosten die Unternehmen viel Geld. Natürlich steckt dahinter der unbedingte Wille, gutes Nachwuchspersonal auszubilden und möglichst weiter zu beschäftigen. Die Wahrscheinlichkeit auf eine Weiterbeschäftigung im Anschluss an das Traineeprogramm ist also grundsätzlich nicht schlecht. Unternehmen, die schon bei der Einstellung Nägel mit Köpfen in Form von unbefristeten Arbeitsverträgen für Trainees machen, finden sich in unserem Trainee-Forum.
Traineeprogramme sind wie eine Ausbildung durchgeplant
Traineeprogrammen liegt kein unternehmensübergreifend ähnlicher Ausbildungsplan, wie z. B. bei einer kaufmännischen Ausbildung der IHK zu Grunde. Die Bezeichnung als Trainee ist nicht gesetzlich oder durch die Handelskammern geschützt und es gibt keinen verbindlichen Lehrplan oder ähnliches. Unternehmen können selbst entscheiden, wie sie das Programm aufbauen, wie der Ablauf gestaltet ist, welche Dauer und welche Inhalte sie zugrunde legen. Daher gilt es, sich im Vorfeld genauestens über das entsprechende Programm zu informieren um später nicht doch nur die Ablage des seit 1998 etwas nachlässigen Projektmanagers für Beschwerdemanagement zu machen.
<< Start < Zurück 1 2 Weiter > Ende >>
|