Trainee-Vertrag II - Allgemeines zu Arbeitsverträgen in Traineeprogrammen

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Sonntag, den 15. August 2010 um 17:35 Uhr
Auch um die eigentlichen Vertragsbestandteile herum, gibt es eine Vielzahl von Fragen rund um die rechtlichen Aspekte von Traineeprogrammen. Zum Beispiel ob man den Trainee-Vertrag nach der Unterschrift, aber vor Beginn des Programms wieder auflösen kann und wie genau eine wirksame Kündigung aussehen muss. Aber nicht nur die Trainees haben ihre liebe Last mit den Arbeitsverträgen, auch viele Arbeitgeber bauen bewusst, oder unbewusst den ein oder anderen rechtlichen Fehler in ihre Verträge ein. Wenn eine Befristung keine ist und was es mit fehlerhaften Abmahnungen auf sich hat, im Folgenden.

Kündigung vor dem Beginn des Traineeprogramms - Wenn es doch einmal die falsche Entscheidung war

Oftmals haben Absolventen eine Vielzahl von Bewerbungen zeitgleich bei verschiedenen Unternehmen laufen. Die glücklicheren bekommen etwa zur selben Zeit verschiedene Angebote und wählen das Passende aus. Was aber macht man, wenn man einen Arbeitsvertrag bereits unterschrieben hat und noch vor Arbeitsbeginn überraschend ein besseres Angebot vorgelegt bekommt?

Eine Kündigung des Trainee-Vertrags ist grundsätzlich auch schon vor Arbeitsbeginn möglich und nur in den allerseltensten Fällen werden die Unternehmen darauf bestehen, die Kündigungsfrist genau einzuhalten und den Trainee im Überschneidungsfall noch eine Woche zur Arbeit auffordern. Allerdings gilt es den Vertrag genau zu lesen, denn in manchen Verträgen ist für einen solchen Fall eine Vertragsstrafe vorgesehen. Dann müsste die Traineestelle angetreten werden, um am ersten Tag wieder zu kündigen. Nur so kann der Strafzahlung, z. B. in Höhe eines Monatsgehalts, entgangen werden.

Befristet aber doch nicht befristet

Befristete Trainee-Verträge können nicht mündlich abgeschlossen werden, sondern bedürfen immer der Schriftform. Hier muss vor dem ersten Handgriff des Trainees ein schriftlicher Trainee-Vertrag vorliegen. Wird dieser erst nachträglich, z. B. am zweiten Arbeitstag nachgereicht, wurde bereits automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis eingegangen. Daran ändert auch die nachträgliche Unterschrift des Trainees nichts mehr. Man sollte sich dann allerdings nicht darauf einlassen, den Vertrag zurück zu datieren.

Die Kündigung des Trainee-Vertrags

Während es für den Arbeitnehmer immer relativ einfach ist, dem Arbeitsplatz zu entsagen und sich innerhalb der im Trainee-Vertrag vereinbarten Fristen vom Arbeitgeber zu trennen, ist es für den Arbeitgeber oftmals schwieriger das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Wenn ein unbefristeter Arbeitsvertrag auch mündlich geschlossen werden darf, bedarf es bei der Kündigung ausnahmslos immer der Schriftform. Eine mündliche Kündigung ist unwirksam.

Außerdem muss in der Kündigung immer der Kündigungsgrund aufgeführt werden. Möglich sind die verhaltensbedingte, die personenbedingte und die betriebsbedingte Kündigung. Der verhaltensbedingten Kündigung muss allerdings zwingend eine Abmahnung vorausgehen.

Das Ding mit der Abmahnung

Theoretisch kann man für die verschiedensten Verhaltensweisen vom Arbeitgeber abgemahnt werden. Besonders beliebt scheint das „zu spät kommen" zu sein. Aber auch für den Genuss von Alkohol in der Arbeitszeit, Rauchen im Betriebs-WC, privates Surfen, Telefonate mit dem Lebenspartner vom Firmenanschluss und viele andere Dinge kann man eine Abmahnung kassieren. Bei Wiederholung des Vorgangs droht dann gerne die Kündigung. Was aber anscheinend manche Arbeitgeber nicht so ganz genau wissen: Eine Abmahnung muss ganz bestimmte Bestandteile beinhalten. Fehlen diese, ist die Abmahnung per se ungültig. Eine Kündigung, die sich auf eine solche ungültige Abmahnung stützt ereilt in Folge das gleiche Schicksal. Und das passiert häufiger als man denkt. Deshalb sollte man als Trainee, der tatsächlich einmal eine Abmahnung erhält, die folgenden Inhalte prüfen.

Inhalt einer jeden Abmahnung muss sein: Eine detaillierte Beschreibung des abgemahnten Vorgangs. Welches Verhalten wird genau abgemahnt und wann und wo ist es vorgefallen. Allgemeine Beschreibungen („kommt häufig zu spät") sind nicht wirksam. Als zweites muss eine genaue Beschreibung enthalten sind, wie der Arbeitnehmer, oder hier der Trainee, sich richtig verhalten hätte. Final, muss außerdem genau in der Abmahnung beschrieben werden, welche Folge ein erneuter Verstoß hat. Fehlt einer dieser Gründe, bzw. ist einer dieser Gründe nicht genau genug ausformuliert, hat die Abmahnung keine Gültigkeit. Entgegen landläufiger Meinung braucht es übrigens nicht drei Abmahnungen bevor es bei erneutem Verstoß zur Kündigung kommen kann, sondern nur eine einzige Wirksame.

Neben der Abmahnung sollte man darüber hinaus das eigene Verhalten während des Traineeprogramms prüfen. Wurde man zu Recht abgemahnt, sollte man dieses unbedingt anpassen und somit möglichst eine Kündigung (wenn unter Umständen auch ungültig) vermeiden

Diese Informationen ersetzen keine Beratung durch einen fachkundigen Rechtsbeistand und erfolgen ohne Gewähr!

Quellen:
Der Stellenreport, Arbeitsvertrag, http://www.stellenreport.de/stellenreport/Services/Arbeitsvertrag.asp