Das Assessment Center - Einführung

© Ioana Grecu | Dreamstime.comBusinessfrauen beim Assessment Center
Etwa 50 Trainees stellt Siemens pro Jahr im Graduate Trainee-Program ein. Die Zahl der Bewerbungen für das Traineeprogramm nehmen dabei ein Ausmaß an, bei dem es für das Unternehmen enormer Kapazitäten bedarf, um jeden Bewerber individuell zu empfangen, ein Bewerbungsgespräch zu führen und zu realistischen Einschätzungen über das Verhalten außerhalb der speziellen Situation eines Vorstellungsgesprächs zu kommen.

Daher ist vorab im Rahmen eines Online-Tests die  erste Hürde zu bewältigen. In Folge durchlaufen die restlichen Bewerber ein Assessment Center, anhand dessen die besten Trainee-Kandidaten identifiziert werden können. Denn hier ist es nicht nur möglich, mehrere Aspiranten gemeinsam unter die Lupe zu nehmen, sondern gleichzeitig das Verhalten der Bewerber in speziellen, möglichst auf den späteren Aufgabenbereich zugeschnittenen Situationen einzuschätzen.

Assessment Center sind aber nicht nur bei Siemens ein gern genutztes Instrument zur Personalwahl. Insbesondere in größeren Unternehmen kommt im Bereich der Trainee- und Führungskräfteauswahl sowie zur Potenzialeinschätzung und zur Bestimmung von Personalentwicklungsmaßnahmen häufig das Assessment Center-Verfahren zum Einsatz. Assessment Center haben sich häufig als festes Instrument neben Online-Tests, Bewerbungsgesprächen oder auch Telefoninterviews in der Bewerberauswahl etabliert. Oftmals sind sie einer der letzten Schritte vor dem Arbeitsvertrag. Die Bewerber, die es bis hierhin geschafft haben, gehören schon zu den Besten. Beim Daimler Traineeprogramm „CAReer“ z. B. folgt das Traineeprogramm im Anschluss auf die Vorauswahl anhand der Bewerbungsunterlagen, einem Onlinetest und einem telefonischen Interview.

Assessment Center als beliebtes Mittel zur Personalauswahl


Die Bezeichnung „Assessment Center“ kommt aus dem Amerikanischen und bedeutet Bewertungs-Zentrum oder etwas passender auch „Einschätzungs-Lager“. Das Assessment Center ist ein Personalauswahlverfahren oder auch ein Potentialanalyseinstrument, welches zur Prüfung und Bewertung der Teilnehmer dient. In Unternehmen haben sich Assessment Center für Traineestellen und Traineeprogramme durchgesetzt und bei rund 50% der ausgeschriebenen Traineestellen ist mit einem Assessment Center zu rechnen. Damit liegt der Anteil für Assessment Center bei Traineestellen um rund 20 bis 30% höher als für Ausbildungsstellen. Eine Eingrenzung auf spezielle Branchen ist dabei nicht möglich und mittlerweile führen auch immer öfter mittelständische Unternehmen Assessment Center durch, um den passenden Nachwuchs zu identifizieren.

Geprüft wird im Assessment Center alles Mögliche: Führungsqualitäten, die Fähigkeit in kurzer Zeit komplexe Zusammenhänge zu erfassen und selbständig umfassende Themen zu erörtern, das Verhalten im Team, auf die Traineestelle bezogene fachliche Fähigkeiten, Fremdsprachenkenntnisse, Präsentationsfähigkeiten, Verkaufstalent und vieles andere mehr. Und alles unter Stress.

Die Ziele des AC für das Unternehmen

Ziel der Unternehmen ist es, mit Hilfe des Assessment Centers die Leistungen der verschiedenen Bewerber vergleichbar zu machen, ihr Potential auszuloten und somit die Entscheidung für die besten Bewerber und zukünftigen Trainees möglichst objektiv und nachvollziehbar zu treffen. Durch Teilnahme mehrere Beobachter und deren Austausch untereinander wird versucht, die Subjektivität der einzelnen Meinungen möglichst zu minimieren. Auch die Möglichkeit durch die Zusammenstellung der verschiedensten Übungen das Assessment Center auf die individuellen Anforderungen der jeweiligen Traineestelle zuzuschneiden spielt eine große Rolle.

Für den Bewerber ist ein Assessment Center in erster Linie eine große Herausforderung und eine gehörige Portion Stress. Assessment Center bieten aber auch eine große Chance: denn zum einen besteht die Möglichkeit im Anschluss ein Stellenangebot zu erhalten, vielleicht für das Traineeprogramm von dem man geträumt hat, oder aber, die Möglichkeit etwas über die eigene Person zu lernen. Denn im Anschluss an ein Assessment Center sollte es immer ein qualifiziertes Feedback von Seiten der Beobachter geben. Dieses hilft die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, Stärken und Schwächen zu analysieren und diese später zu bearbeiten. Somit ist man gerüstet, um erfolgreich in den nächsten Bewerbungsprozess einzusteigen.

Quellen und weiterführende Informationen:
- Angstfrei ins Assessment Center, Thomas Schmidt, Manfred Faber, Thomas Middelmann, 2000, Frankfurt/ Wien; redline Verlag
- Beurteilungsqualität im Assessment Center: Chancen und Risiken eines prozessbegleitenden, computergestützten Feedbacks an die Assessoren von Friederike Grüterich,
- Assessment-Center ist nicht gleich Assessment-Center, Nicht immer sind Profis am Werk, Frauke Poganatz, FAZ Online
- Assessment Center als modernes Personalauswahlverfahren: Chancen und Risiken, Spuhler, Nadine; http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/17733.html
- Trainee-Programme Freie Fahrt durch die Firma, sueddeutsche Online, http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/85/464683/text/, 04.2009
- Daimler Webseite / Career - the Talent Program, http://career.daimler.com/dhr/?lang=de&ci=501&sw=1&DAIMLERHR=nemojjeo

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