Arbeitszeugnisse sind ein Mysterium. Der Arbeitgeber ist verpflichtet jedem Trainee ein wohlwollendes Zeugnis zu übergeben. Teilweise liefert er aber Zeugnisse, die die Tinte auf dem Papier nicht wert sind. Es wird getrickst, verschlüsselt und blumig umschrieben - und am Schluss weiß kein Laie mehr, was da eigentlich wirklich steht. Denn natürlich will der Arbeitgeber seine Beurteilung der Traineezeit im Zeugnis sehen - ob gut oder schlecht. Doch wie erkennt man ein schlechtes Zeugnis und welche Rechte hat man als Trainee? In unserer neuen Traineezeugnis-Serie gehen wir der Sache auf den Grund. Wir beschäftigen uns mit den Grundlagen, den Zeugnis-Codes, den Besonderheiten für Trainees und verraten einige Zeugnis-Geheimnisse.
Das Aus für jede Bewerbung
Doch zuerst gehen wir einen Schritt zurück. Schlechte Arbeitszeugnisse sind der Killer für jede Bewerbung. Zwar kann man im Anschreiben für einen Job noch nach Belieben die eigenen Fähigkeiten loben, aber schon früh wird der Blick des Personalers unweigerlich auf die mitgeschickten Zeugnisse fallen. Wehe dem, der hier nicht punkten und das angekündigte bestätigen kann. Bei Dutzenden oder sogar Hunderten von Bewerbern für Traineeprogramme oder begehrte Arbeitsplätze im Anschluss an ein Traineeship, sind es oft Kleinigkeiten, die über das Aus der eigenen Bemühungen entscheiden.
Schon kleine Nachlässigkeiten in der Zeugnisformulierung, fehlende Standardfloskeln oder Aufzählungen in ungewöhnlicher Reihenfolge, können ein Zeugnis entwerten. Unabhängig davon, ob es sich hierbei um ein Versehen des letzten Arbeitgebers oder um einen bewussten Trick handelt. Daher sollte man jedes Zeugnis sorgfältig prüfen und im Zweifel von einem Sachkundigen prüfen lassen. Angebote für solche Prüfungsleistungen von Sachverständigen, Anwälten oder Personalexperten findet man ohne Probleme. Mehr dazu bald in unserem Artikel: "Hilfe bei der Zeugnisbeurteilung".
Das Recht auf Zeugnis
Das ein Arbeitszeugnis wesentlich für das weitere Fortschreiten im Berufsleben ist, ist auch dem Gesetzgeber schon vor einiger Zeit klar geworden. Flugs sorgte er für die entsprechender Verankerung des Rechts auf Zeugnis im BGB und in der Gewerbeordnung. Ohne mit einzelnen Paragrafen langweilen zu wollen, hat daher jeder Angestellte, Trainee oder Praktikant, Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Findige Arbeitgeber versuchen sich teilweise von diesem lästigen Anspruch schon im Arbeitsvertrag freizustellen. Erfolglos übrigens. Klauseln mit diesem Ziel sind nichtig.
WICHTIG: JEDER Arbeitnehmer hat das Recht auf ein Zeugnis. Ausschlussklauseln in Arbeitsverträgen sind nicht wirksam!
Arbeitszeugnis möglichst sofort bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses
Wichtig ist aber auch, sich nicht zu lange Zeit zu lassen mit der (expliziten) Frage nach einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Der Arbeitgeber hat hier keine automatische Bringpflicht und muss erst auf ausdrückliches Verlangen des Arbeitnehmers tätig werden. Und: Das Recht auf Zeugniserteilung wärt nicht ewig, sondern maximal 3 Jahre. Der Ticker beginnt mit Abschluss des Jahres in dem gekündigt wurde, zu laufen. Bei einem qualifizierten Zeugnis kann sich der Arbeitgeber unter Umständen auch schon früher quer stellen und die Ausstellung verweigern. Daher sollte man es soweit gar nicht erst kommen lassen. Denn im schlechtesten Fall erhält man dann nur noch ein einfaches Arbeitszeugnis (s.u.).
Vorzeitiges Ende des Traineeprogramms (in der Probezeit)?
Auch wer sein Traineeprogramm nicht zu Ende führt, hat das Recht auf ein Zeugnis. Wie lange man im Unternehmen tätig war, spielt für diesen Rechtsanspruch keine Rolle. Auch eine Kündigung während der Probezeit befreit den Arbeitgeber nicht vor der Pflicht ein Zeugnis auszustellen. Es könnte allerdings sein, dass man nach einigen wenigen Tagen im Unternehmen nur ein einfaches und kein qualifiziertes Zeugnis erhält.
Einfaches vs. qualifiziertes Arbeitszeugnis
Zwei Arten von Zeugnissen gibt es zu unterscheiden. Das einfache und das qualifizierte Arbeitszeugnis. Das einfache Zeugnis beinhaltet nur ein vom Gesetzgeber vorgesehenes Mindestmaß an Informationen. Dazu gehört eine Angabe über die Länge der Beschäftigung und die ausgeübten Tätigkeiten. Das Ganze wird ohne weitere Beurteilung über die Güte der erbrachten Leistungen oder ähnliches geschrieben und übergeben. Es ist im Hinblick auf das Leistungspotential, die Zusammenarbeit, Stärken und Schwächen und ähnliches also nicht aussagekräftig.
Gute Gründe ein einfaches Zeugnis als Trainee zu bevorzugen, gibt es nur wenige:
Z.B.: Wenn man im Rahmen des Traineeprogramms sehr viel verbockt hat und das auch noch kontinuierlich. In diesem Fall, also wenn negative Verhaltensweisen für die gesamte Dauer der Beschäftigung charakteristisch waren, darf der Arbeitgeber dies auch in die Beurteilung einfließen lassen. Ansonsten hat er sich wohlwollend zu äußern und darf das berufliche Fortkommen des Angestellten nicht ungerechtfertigt erschweren. Ein negatives Zeugnis dürfte aber ein ziemlicher Hemmschuh für das weitere Berufsleben sein. Daher sollte man in einem solchen Fall über ein einfaches Zeugnis nachdenken.
Oder aber: Wenn man ein Zeugnis für eine Behörde als Nachweis für erbrachte Arbeitszeiten oder ähnliches benötigt. Hier reicht das einfache Zeugnis aus.
Da also einfache Zeugnisse im Normalfall keine Option für eine Bewerbung sind und einen negativen Beigeschmack haben, dürften zukünftige Arbeitgeber davon ausgehen, dass ein einfaches Arbeitszeugnis ein schlechtes Zeugnis ist. Man sollte sich daher bei Zeugnissen für die Bewerbungsunterlagen partout nicht auf ein solches einlassen und sich nur mit einem qualifizierten Zeugnis zufrieden geben.
Das qualifizierte Arbeitszeugnis
Dieses beinhaltet selbstverständlich auch die Basisinformationen aus der einfachen Variante, ergänzt diese aber um Beurteilungen der erbrachten Leistungen und des Verhaltens und fügt eine Gesamtbeurteilung ein. Die Beurteilung sollte sich nicht nur auf eine Dimension der Tätigkeit, wie z. B. die fachliche Komponente, beschränken. Es sollte ein ausgeglichenes Bild des Arbeitnehmers zeichnen. Der nächste Personaler könnte sonst auf die Idee kommen, dass alle nicht erwähnten Qualitäten negativ einzuordnen sind. Neben der fachlichen Qualifikation gehören daher in das qualifizierte Zeugnis auch eine Bewertung der sozialen Fähigkeiten, also z. B. das Verhalten gegenüber Vorgesetzten oder Kunden, ggf. das Führungsverhalten oder die Leistungsfähigkeit und das Engagement.
Der nächste Artikel dieser Reihe, beschäftigt sich mit den gebräuchlichsten formalen Codes in Zeugnissen.
Haftungsausschluss:
Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt - ersetzt aber keine juristische Beratung. Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit und Aktualität der Inhalte.
Quellen und weitere Informationen: - Wikipedia, Arbeitszeugnis. http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitszeugnis - Studis Online - Beruf: Checkliste Arbeitszeugnis - http://www.studis-online.de/Karriere/checkliste_arbeitszeugnis.php - Anwalt.de: Recht auf Zeugnis: http://www.anwalt.de/rechtstipps/ratgeber/anspruch-auf-zeugnis.html - Verdi Mittelhessen - Checkliste Arbeitszeugnis: http://mittelhessen.verdi.de/service/checkliste_arbeitszeugnis
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