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(Trainee-)Gehalt schon in der Stellenanzeige – Neues Gesetz in Österreich

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Montag, den 15. August 2011 um 15:59 Uhr

trainee-gehalt-euro-muenze-sascha-jost Seit März 2011 muss in Österreich das Gehalt für eine Position schon in der Stellenanzeige offengelegt werden. Über Sinn und Unsinn dieses neuen Gesetzes wir viel diskutiert - umgesetzt wird es bisher nur von wenigen Unternehmen. Straffrei bleibt der Verzicht auf die Angabe bis zum Beginn des nächsten Jahres. Bei Traineeprogramm-Ausschreibungen gibt es verschiedenen Argumente, die für eine ähnliche Regelung auch hier in Deutschland sprechen.

9 von 10 Bewerbern möchten Klarheit bezüglich der Höhe der Vergütung für eine Stelle

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Stellenbörse Monster, an der knapp 600 Nutzer der deutschen Webseite teilnahmen.  Insgesamt 91% sprachen sich dafür aus, dass Unternehmen schon im Text der Stellenanzeige die Höhe der Vergütung für die ausgeschriebene Position offenlegen sollten. Denn die Alternative besteht darin, sich durch zahllose Gehaltstabellen zu wühlen, Vergleichsportale zu befragen, die oft Spannen von mehreren Zehntausend Euro ausweisen oder sich einfach auf sein bloßes Bauchgefühl zu verlassen.

Gute Gründe für die Angabe von Trainee-Gehältern in Traineeprogramm-Ausschreibungen

Aber auch darüber hinaus gibt es verschiedene Punkte, die für die Einführung eines solchen Gesetzes sprechen. Besonders als Berufseinsteiger fällt es schwer, der eigenen Arbeitskraft einen angemessenen Wert zuzuordnen. Es fehlen Erfahrungswerte und erfahrene Ansprechpartner aus dem Bereich, in dem man einsteigen will. Außerdem:

1.       Keine Verschwendung von Zeit und Geld für Bewerbungen bei Unternehmen, die Hochschulabsolventen zum Preis von Praktikanten einstellen wollen

Unter dem Deckmantel eines Traineeprogramms versuchen noch immer viele Unternehmen, hoch qualifizierte Absolventen zu Praktikanten-Gehältern einzustellen. Diese könnten bereits in der Stellenanzeige durch den Bewerber identifiziert und entsprechend ignoriert werden. Viele Bewerbungen würden wahrscheinlich nicht verschickt werden, wenn der Bewerber im Voraus über die Zahlungsbereitschaft solcher Unternehmen Bescheid wüsste.

2.       Trainee-Gehälter sind oft tarifvertraglich gebunden oder intern festgeschrieben

Bei anderen Unternehmen dagegen, gibt es einen festen Satz für das Traineeprogramm, der entweder intern oder tarifvertraglich festgelegt ist. Und obwohl es damit keinen Spielraum bei der Höhe des Trainee-Gehalts gibt, möchten manche Unternehmen trotzdem eine Einschätzung des Bewerbers in Form eines Gehaltswunsches. Dieser hat hier nur die Möglichkeit, das vorgegebene Gehalt einigermaßen zu treffen oder sich schon im ersten Schritt aus dem Bewerbungsprozess herauszuschießen. Eine unnötige Hürde - zumindest aus Sicht der Bewerber.

3.       Traineeprogramme haben Ausbildungscharakter - der Verdienst steht nicht im Vordergrund

Gerade wurde es höchstrichterlich bestätigt, ein Traineeprogramm hat Ausbildungscharakter. Das Ziel ist also nicht der einfache Broterwerb mit möglichst hohem Gehalt, sondern der geführte Einstieg ins Berufsleben mit möglichst guten Chancen auf eine erfolgreiche Karriere im Anschluss an das Programm. Auch bei Berufsausbildungen ist es üblich, dass das Gehalt für alle Azubis einheitlich geregelt und bekannt gegeben wird.

4.       Transparenz und Gleichberechtigung

Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer. Zwar liegen die Unterschiede im Gehalt nach Studienerkenntnissen aus 2010 nicht mehr in Höhe von 20 bis 25%, sondern eher  im Bereich von 8 bis 13% (Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft). Trotzdem gibt es hier also noch Anpassungsbedarf. Und die Unterschiede im Gehalt werden oft schon beim Berufseinstieg festgelegt und ziehen sich dann häufig durch das komplette Arbeitsleben. Eine höhere Transparenz bei den Gehältern, würde sich auch hier positiv auf eine Anpassung der Gehälter und den weiteren Abbau von Lohndifferenzen und Ungleichbehandlung auswirken.

Was gegen die Angabe von Gehältern in Stellenanzeigen sprechen könnte

Wie immer gibt es natürlich zwei Seiten und es werden verschiedene Gründe angebracht, die gegen die Veröffentlichung von Gehaltsangaben in Stellenausschreibungen sprechen. Denn natürlich hängt bei vielen Jobs, die Höhe des Gehalts von der Qualifikation des Bewerbers ab. Wie vermittelt man, dass man einem Bewerber mit FH-Abschluss weniger bezahlen möchte, als einem Bewerber mit Mastertitel oder Diplom - obwohl sie beide dieselbe Stelle ausfüllen könnten?  Eine Möglichkeit ist die differenzierte Angabe von Gehältern oder von Gehaltsspannen. Die DZ-Bank geht hier mit gutem Beispiel voran. Auf den Internetseiten finden Sich die folgenden Angaben:

Unsere Trainees starten je nach Hochschulabschluss mit einem Festgehalt von ca. 46.500,00 EUR als Bachelor und bei einem Master- und Diplomabschluss mit einem Festgehalt von ca. 51.100,00 EUR jährlich.

In Österreich, wo das Gesetz jetzt bereits umgesetzt werden muss, ist das Unternehmen verpflichtet, das kollektivvertragliche Mindestentgelt für eine Stelle anzugeben. Abweichungen nach oben sind problemlos möglich, wenn der Arbeitgeber auf die Möglichkeit der Überzahlung hinweist. Nach unten sind keine Abweichungen möglich. Grundlage für diesen Ansatz ist die Tatsache, dass in Österreich die meisten Arbeitsplätze und deren Vergütung durch Kollektivverträge geregelt werden.

Die Personaler argumentieren, dass die Gehaltsangabe schon im ersten Anschreiben Auskunft über die Selbsteinschätzung der Bewerber liefert. Wie gut informiert er sich im Vorfeld? Wie realistisch ist seine Gehaltsforderung? Die Bewerber selbst fühlen sich mit einer Hürde konfrontiert. Verkauft man sich zu billig, um nicht im Vorfeld aus dem Auswahlprozess ausgeschlossen zu werden oder pokert man auf ein möglichst hohes Gehalt und geht eben jenes Risiko ein? Dabei hätte man den Job im Ernstfall auch für weniger Geld gerne genommen hätte. Bisher hilft hier nur eine möglichst ausführliche und zeitintensive Recherche nach Referenzgehältern um sich zu orientieren.

Die Umsetzung in Österreich

Wie oben erwähnt ist das Gesetz in Österreich schon in Kraft getreten und verschiedene Unternehmen orientieren bereits an diesem. Da Versäumnisse allerdings erst ab dem nächsten Jahr tatsächlich mit Strafen geahndet werden, sind es bisher nur wenige Unternehmen. Von 42 Trainee-Stellenanzeige bei Monster.at konnten wir  nur in 7 Anzeigen ein Gehalt finden. Dies liest sich dann in etwa so:

Je nach vorzunehmender Verwendungsgruppeneinstufung (abhängig von Qualifikation und Berufserfahrung) gilt ein kollektivvertragliches Mindestentgelt von € 2.382,93 bzw. € 1.891,82 brutto/Monat. Geboten werden eine marktkonforme Überzahlung sowie attraktive Sozialleistungen." SAP TRAINEE bei der D. SWAROVSKI KG

Oder bei der Raiffeisen Bank International AG:

Das kollektivvertragliche Mindestgehalt gem. Einstufung in die Beschäftigungsgruppe E Stufe 5 beträgt dzt. brutto EUR 2.636,50 (exkl. Überstunden)."

Oder stichwortartig, wie bei der Wirtschaftsberatung Schagerer:

Gehalt: 400,00 - 2.000,00 EUR /Monat

Andere Unternehmen beziehen sich nur auf Kollektivgehälter ohne diese ausdrücklich zu nennen, wie z. B. Unibail-Rodamco:

„Die Entlohnung liegt signifikant über dem für diese Branche festgelegten Mindest­kollektivgehalt."

Wirklich informiert ist der Bewerber nur bei der Anzeige der Raiffeisen Bank. Bei den anderen hat man aber zumindest einen Anhaltspunkt. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die restlichen Unternehmen an das Gesetz halten werden und ob es in Zukunft ein ähnliches Gesetz auch in Deutschland geben wird.

Verschiedene Unternehmen gehen in Deutschland im Bereich Traineeprogramm bereits mit gutem Beispiel voran. Bei der Deutsche Bundesbank, Aldi Süd, der Deutschen Auftragsagentur GmbH und anderen, kann man Informationen zur Höhe des Trainee-Gehalts auf der Webseite, in Stellenanzeigen oder in Interviews mit den Personalleitern finden.

Quellen:
Perspektive Mittelstand: Umfrage: Arbeitgeber sollen in Stellenanzeigen das Gehalt angeben

DZ Bank -
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Männer und Frauen: Gehaltsunterschied Von wegen benachteiligt,
Süddeutsche Online