Talent Management durch Trainee-Programme – Eine Untersuchung aus Sicht der Trainees - Teil 2

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Montag, den 19. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

dreamstimefree_6719_t2Frauke Claes hat sich im Rahmen Ihrer universitären Abschlussarbeit intensiv mit dem Thema Talent Management durch Trainee-Programme befasst. Im ersten Teil unseres Interviews dazu standen das Mentoring der Trainees und Buddy-Programme im Fokus. Im zweiten Teil geht es um Probleme bei der Einbindung der Trainees in das Unternehmen und die inhaltlichen Umsetzung der Programme. Außerdem gibt Frauke einige Tipps, wie man sich im Vorfeld der Bewerbung zusätzlich über eine Traineestelle informieren kann.

Neben dem fehlenden oder schlechten Mentoring, gab es weitere Schwachpunkte innerhalb der Programme, auf die die Trainees eingegangen sind?

Oft gab es Kommunikationsschwierigkeiten bzgl. der Verantwortungsbereiche und Aufgaben, die den Trainees zugeteilt wurden, da sie oft als „Luxus-Praktikant" angesehen wurden. Wer ein Trainee-Programm beginnt, dem muss bewusst sein, dass viel Eigeninitiative gefordert wird. Gerade in Abteilungen, in denen zuvor noch nie ein Trainee war, muss oft das Ziel des Trainee-Programms nochmals verdeutlicht werden und der Trainee muss sich aktiv Aufgaben suchen. Ein weiterer Punkt ist der Übergang von der Traineezeit zum ‚normalen' Angestellten. Die interviewten Trainees hätten sich hier mehr Unterstützung von Seiten des Arbeitgebers bei der Zielstellensuche gewünscht.

Gab es hierzu Optimierungsvorschläge aus den Interviews?

Ja. Durch verschiedene Maßnahmen sollten die Ziele und Aufgaben der Trainees intern klar kommuniziert werden, sodass Abteilungs- und Gruppenleiter die Fähigkeiten der Trainees angemessen nutzen können und die Trainees gut für die Zeit nach dem Programm vorbereitet werden. Außerdem könnte ein ‚follow-up' Programm aufgebaut werden, welches durch Unterstützung bei der Zielfunktionssuche den Übergang vom Trainee zum ‚normalen' Angestellten erleichtert.  Auch die Unternehmen profitieren davon, wenn sich der Trainee wohlfühlt und schnell in einer passenden Zielfunktion eingesetzt wird.

Scheinbar gab es eine Vielzahl negativer Erfahrungen, die besonders organisatorischen Problemen geschuldet ist. Wie sah es auf der inhaltlichen Seite aus, also im Bezug auf die gestellten Aufgaben, eigenverantwortliches Arbeiten und mögliche Projektarbeit?

Hier ist es sehr entscheidend, wie lange die einzelnen Stationen dauern. Ideal ist es, wenn der Trainee genügend Zeit hat sich einzuarbeiten und aktiv an Projekten mitarbeiten kann. Ein Trainee erzählte, dass er auf Wunsch seine Zeit bei einer Station verlängern konnte, da er dort an einem spannenden Projekt gearbeitet hat. Daher empfiehlt es sich, die Stationen flexibel zu gestalten. Bei einigen Firmen gibt es die Möglichkeit, ein eigenverantwortliches Traineeprojekt in Zusammenarbeit mit Trainees aus anderen Fachbereichen zu übernehmen. Dies wird dann am Ende des Traineeprogramms vorgestellt. Diese Projektarbeit konnte immer dann von den Trainees weiterbearbeitet werden, wenn sie gerade keine anderen Aufgaben hatten. Ein weiterer Vorteil eines gemeinsamen Traineeprojekts ist, dass sich die Trainees der unterschiedlichen Fachbereiche besser kennenlernen und somit ihr internes Netzwerk ausbauen.

Gab es auch besonders positive Erfahrungen, von denen die Trainees berichtet haben?

Im Großen und Ganzen waren die Erfahrungen der Trainees positiv. Bei meiner Arbeit lag der Schwerpunkt darauf, herauszufinden, wie Traineeprogramme optimiert werden können und welche Sicht die Trainees auf das Programm haben. Im Allgemeinen arbeiteten die (Ex-)Trainees gerne bei Ihren Arbeitgebern und fast alle sind auch nach dem Traineeprogramm dort geblieben. Einen großen Unterschied hat gemacht, wie aktiv die Trainees bei der Beschaffung von Arbeitsaufträgen und bei der Findung der Zielposition waren.

Neben der fehlenden internen Kommunikation zur Rolle der Trainees gab es auch verschiedene Erkenntnisse in Bezug auf die externe Kommunikation der Programme. Inwiefern gibt es hier noch Verbesserungsbedarf?

Hier wird nicht immer das eingehalten, was von employer branding Experten schon lange gepredigt wird. Authentizität und Nachhaltigkeit sind entscheidend bei der Kommunikation des Programms. Nur wenn das, was ich nach außen kommuniziere, z.B. schnelle Verantwortungsübernahme für eigene Projekte, auch wirklich am Ende im Traineeprogramm umgesetzt wird, können die passenden Kandidaten für das Programm gefunden werden. Ansonsten kann es passieren, dass die Erwartungen der Trainees durch nicht authentisches employer branding zu hoch sind, diese dann vom Programm enttäuscht sind und eventuell das Unternehmen wieder verlassen.

Es scheint schwierig, Missstände in einem bereits laufenden Traineeprogramm zu beheben, gerade wenn es sich um eingefahrene Strukturen handelt. Kannst du, auf Basis der Aussagen aus den Interviews, unseren Lesern einige Hinweise geben, auf was Sie bei der Wahl eines Traineeprogramms achten sollten?

Am besten ist es, wenn man einen Trainee aus dem Unternehmen kennt und man ihn außerhalb des Unternehmens nach seinen Erfahrungen befragen kann. Ansonsten empfehle ich nach Erfahrungsberichten im Internet zu suchen und sich bewusst zu machen, was von Trainees erwartet wird und welche Erwartungen man selber an das Programm hat. Hier ist es wichtig, realistisch zu bleiben.

Mittlerweile haben sich die ersten Unternehmen gemeldet und Interesse für deine Arbeit bekundet  wie fällt insgesamt das Feedback aus?

Die Firmen sind sehr daran interessiert, den „Trainee-Blick" auf das Programm kennenzulernen um herauszufinden, was sie optimieren können.

Und zum Schluss: Erzähle unseren Lesern doch noch kurz etwas zu dir und deinem Werdegang:

Ich heiße Frauke Claes, ich bin 23 Jahre alt und komme aus Bad Driburg. Für mein Bachelorstudium in European Studies zog ich in die schöne Stadt Maastricht in den Niederlanden. Während meines Bachelorstudiums absolvierte ich ein 4-monatiges Praktikum bei InWEnt in Hanoi (Vietnam). Dort sammelte ich Praxiserfahrung im Bereich Weiterbildung und Training für Fach- und Führungskräfte sowie in der Vorbereitungen von Auslandsentsendungen. Dies weckte bei mir den Wunsch, meinen Master in Human Resource Management zu machen, welchen ich letzten Monat abgeschlossen habe. In meiner Freizeit bin ich als Jugendleiterin in der KjG (Katholischen jungen  Gemeinde) aktiv, lese und reise gerne.

Vielen Dank für das Interview!

Bei Interesse an der Studie wenden Sie sich bitte an my-trainee.de - wir vermitteln gerne den Kontakt zu Frauke Claes.

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