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Kindergeld trotz Traineeprogramm: Das Berufsziel fest im Visier

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Mittwoch, den 02. November 2011 um 22:16 Uhr
hammer_451078_R_by_Thorben-Wengert_pixelio.deEs sollte eigentlich nicht nötig sein: Man hat 6-10 Semester Studium hinter sich, einen Bachelor oder ein Diplom in der Tasche und ist bereit, die Arbeitswelt mit eigenen Ideen und Tatendrang umzukrempeln. Der ersehnte Job mit toller Bezahlung stellt sich allerdings nicht ein und wiederwillig lässt man sich auf eine schlecht bezahlte Traineestelle oder ein Praktikum ein. Damit jetzt wenigstens die Kindergeldansprüche der Eltern erhalten bleiben, sollte man sich schon vorher einige Gedanken machen.


Kindergeld für Akademiker?

Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit dem Kindergeld. Wann genau, darüber streiten sich die Finanzgerichte regelmäßig mit den Bezugsempfängern. Nach der Ausbildung oder dem Studium beginnt die strittige Phase, in der fraglich ist, was berufsqualifizierend ist und was nicht. Denn darauf kommt es an. Wer ein seriöses Traineeprogramm mit fairer Bezahlung beginnt, muss sich allerdings keine Gedanken machen. Kindergeldansprüche kommen hier nicht zu Stande. Die Verdienstgrenze von 8.004 Euro pro Jahr für das „Kind" wird locker übersprungen. Aber hin und wieder gibt es sie doch, die Traineeprogramme mit lausiger Bezahlung.

Wer in ein solches startet und das Kindergeld fest als Teil der Finanzierung einplant, sollte schon beim Abschluss des Trainee-Vertrags und beim Antrag für das Kindergeld auf verschiedene Details achten.

„Berufszielbezogen" lautet das Zauberwort

Im neusten Urteil des Finanzgerichts Münster, wurde der Charakter der Anstellung (ob als Trainee oder Praktikant) noch einmal in den Vordergrund gerückt. Wer z. B. ein Praktikum macht um eine Leerlaufzeit zu überbrücken, der darf trotz niedriger Bezüge und passendem Alters nicht automatisch auf die Auszahlung von Kindergeld spekulieren. Gleiches gilt für Traineeprogramme. Damit überhaupt ein Anspruch auf Kindergeld nach einem Studium zu Stande kommt, muss der Ausbildungscharakter im Vordergrund stehen und im Zweifel vom Kläger bewiesen werden. Daneben bestehen Ansprüche auf Kindergeld grundsätzlich nur bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.

Im konkreten Fall, der jetzt vor Gericht ausgetragen wurde, ging es um die ehemalige Praktikantin einer Werbeagentur. Nach Abschluss Ihrer staatliche Berufsabschlussprüfung in der Fachrichtung "Gestaltung" hatte sie sich auf eine unbezahlte fast einjährige Praktikantinnenstelle eingelassen. Das von der Mutter beantragte Kindergeld wurde von der Familienkasse aber nicht bewilligt. Hintergrund der Ablehnung durch die Familienkasse war deren Standpunkt, dass ein Praktikum mit Ausbildungscharakter auf die Länge von 6 Monaten begrenzt sei. Außerdem fehle im Antrag die Benennung eines Berufsziels.

Die Überraschung über diese Ablehnung war sicherlich groß und man zog vor das Finanzgericht um sein Recht einzuklagen. Allerdings wurde der Familie auch hier eine Absage erteilt.

Der Ausbildungsplan als zentrales Beweisstück für die Berufszielbezogenheit der Ausbildung

Grundlage sind die folgende Worte aus der Urteilsbegründung: „Im Streitfall hat die Klägerin nicht dargelegt, dass in der Zeit, als die Tochter ab Oktober 2008 das Praktikum bei dem Unternehmen [...] absolvierte, deren Ausbildung im Vordergrund gestanden hat." Auf Nachfrage des Gerichts wurde auch kein Ausbildungsplan oder ähnliches von der Mutter nachgereicht, der als „als Beleg für den Ausbildungscharakter der Tätigkeit" hätte stehen können. Daraufhin wurde die Klage abgelehnt.

Eine einfache Bestätigung des Arbeitgebers wurde weiterhin als nicht ausreichend abgelehnt. Nur „konkrete Angaben dazu, welche im Rahmen einer Ausbildung notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt worden sein sollen", hätten zu einer anderen Entscheidung des Gerichts führen können. Dies sollte man sich vor Augen halten, wenn man in die Situation kommen sollte, einen Vertrag für ein Traineeprogramm zu unterschreiben. Ein ausführlicher Ausbildungsplan sollte Bestandteil des Vertrags sein.

Wie geht man am besten damit um:

Wer also das entsprechende Alter hat, um noch Kindergeld zu erhalten und darüber hinaus ein Traineeprogramm aufnehmen möchte, welches entsprechend schlecht bezahlt wird, der sollte von Beginn an über die Berufszielbezogenenheit des Programms nachdenken. Auf jeden Fall sollte man auf die Ausstellung eines Ausbildungsplans durch den Arbeitgeber bestehen und schon im Kindergeldantrag auf die Relevanz des Programms für den weiteren Werdegang hinweisen. Floskeln werden nicht reichen, sondern handfeste Belege sind nötig, um hier im Zweifel auch vor Gericht seine Ansprüche durchsetzen zu können.

Übrigens, auch wer mehr als 8.004,-€ verdient, kann unter Umständen noch in den Genuss des Kindergelds kommen. Die Höchstgrenze bezieht sich nämlich nicht auf das Bruttoentgelt, sondern auf das Entgelt nach Abzug von Werbungskosten. Die Werbungskostenpauschale beträgt seit Anfang des Jahres 2011 1.000,-€. Können höhere Werbungskosten nachgewiesen werden, darf der jeweilige Betrag vom Bruttoentgelt abgezogen werden.

 

Quellen:
- Finanzgericht Münster, 11 K 4202/10, Zu den Voraussetzungen für eine Anerkennung eines ausbildungsnachgelagerten Praktikums eines Kindes als Berufsausbildung im Sinne von § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG (Urteil vom 1. Juni 2011, Az. 11 K 4118/09 Kg)

- Kein Kindergeld bei nicht berufszielbezogenen Praktika
. 30. Oktober 2011, Bastian Stein

Bildquelle:
© Thorben Wengert | pixelio.de